Seit mehr als vierzig Jahren werden die öffentlichen Debatten über Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland nicht nur durch die Kapitalismuskritik der Frankfurter Schule geprägt. Jürgen Habermas ist darüber hinaus das Kunststück gelungen, den Begriff Zivilgesellschaft mit jenen marxistischen Inhalten zu besetzen, die einst die Ursache dafür bildeten, dass er auf Initiative von Max Horkheimer nicht mehr an der Universität Frankfurt unter dem Schutz von Theodor Wiesengrund Adorno habilitieren konnte.
Mit seiner "Theorie des kommunikativen Handelns" verkehrt Habermas den alten liberalen Begriff Zivilgesellschaft in das genaue Gegenteil. In der liberalen Tradition von Adam Ferguson, Adam Smith, Immanuel Kant, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek wird die persönliche Freiheit jedes Individuums durch Institutionen wie Privateigentum, Vertragsfreiheit, Kapitalverkehrsfreiheit und Gewerbefreiheit, aber auch durch die Autonomie der Familie sowie Religions- und Gewissensfreiheit vor der Herrschaft durch andere Menschen geschützt. Bei Habermas sind jedoch gerade diese Institutionen "nicht legitimierte Herrschaftsformen" der spätkapitalistischen bürgerlichen Gesellschaft, die kommunikativ verflüssigt werden müssen.